Arbeitsschutz

Die Vorteile flexibler Arbeit durch verlässliche Vereinbarungen

Interview mit Dr. Anita Tisch für den Safety Management Trend Report 2021

6 Minuten   |     27/05/2021

Die Themen Flexible Arbeit und Digitalisierung verbinden viele Beschäftigte mit Vorteilen und Freiheiten. Zugleich ergeben sich für Arbeitgeber und Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten die Arbeit gesünder und sicherer zu gestalten. Dies birgt jedoch auch einige Risiken, denen adäquat begegnet werden sollte. Für den Safety Management Trend Report befragte Quentic Dr. Anita Tisch, Leiterin der Forschungsgruppe „Wandel der Arbeit“ bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). In ihrer Forschung untersucht sie die Auswirkungen des wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Wandels auf die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten.

Flexible Arbeit muss gut gestaltet werden

Frau Dr. Tisch, Sie forschen in Ihrer Arbeitsgruppe zum Wandel der Arbeit. Für sehr viele Beschäftigte gab es im letzten Jahr einen sehr abrupten Wandel. Mit der Coronaviruskrise war plötzlich viel Flexibilität gefragt. Was denken Sie, sollten Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Führungsverantwortliche sich zum Thema flexible Arbeit für 2021 auf die Fahnen schreiben?

Ich denke, dass es gerade jetzt wichtig ist den Arbeitsschutz großzuschreiben und die Krise als Chance zu begreifen. Neben all den Vorteilen, die Flexibilität für die Beschäftigten bringt, müssen wir auch den Risiken adäquat begegnen. Klare Regelungen sind deshalb sehr wichtig. Aktuelle Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigen deutlich, dass flexible Arbeit ökonomisch und organisatorisch besser gestaltet ist, wenn es klare Regelungen und verlässliche Vereinbarungen gibt. Es werden weniger Überstunden geleistet und Pausen- und Ruhezeiten besser eingehalten. Dort, wo es solche Regelungen nicht gibt, ist das weniger der Fall.

Viele Umfragen zeigen auch, dass die Mehrzahl der Beschäftigten nach der Pandemie gern ganz oder zumindest teilweise weiter im Homeoffice arbeiten möchte. Würden Sie also sagen, dass die entsprechenden Regelungen dazu jetzt mit Priorität getroffen werden müssen?

Ja und nein. Es gibt ja bereits gute, bestehende Regelungen und Beispiele für die Telearbeit, die für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von zuhause arbeiten möchten und können, übertragen und angepasst werden müssen. Der Arbeitsschutz muss hier auf jeden Fall ansetzen, denn die Umfragen zeigen auch, dass eine klare Trennung von Arbeit und Privatem den Beschäftigten ebenso wichtig ist. Das muss gut gestaltet werden, sonst kommt es zu Entgrenzung und mangelnder Erholung.Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass dies zum Teil auch eine privilegierte Diskussion ist. Denken Sie an die vielen Beschäftigten, die keine Möglichkeit haben, ihre Tätigkeit orts- oder zeitflexibel auszuüben. Es ist wichtig, dass wir auch hier neue Ideen und Ansätze finden, um für sie Entlastung zu schaffen.

Safety Management Trend Report 2021

Safety Management Trend Report 2021

Dr. Anita Tisch ist eine von elf internationalen Experten, die an der Panel-Studie für den Safety Management Trend Report 2021 teilgenommen haben. Laden Sie hier den kostenlosen Report herunter und erhalten:

 

  • Perspektiven: Einschätzungen von führenden Expertinnen und Experten aus acht Ländern zu den wichtigsten Trends und Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsschutz.

  • Praxis: Erstmals wird der Safety Management Trend Report durch eine große Umfrage unter Fachkräften aus ganz Europa ergänzt

  • Ausblicke: Welche Prioritäten setzt zukunftssicherer Arbeitsschutz? Worauf sollten Fachkräfte sich jetzt konzentrieren?

 


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Digitalisierung: Chancen und Herausforderungen

In Ihrem Forschungsschwerpunkt geht es vor Allem auch um Digitalisierung. Welche Herausforderungen sehen Sie hier? 

Grundsätzlich stehe ich der Digitalisierung positiv gegenüber, denn sie bietet uns viele Möglichkeiten die Arbeit gesünder und sicherer zu gestalten. Allerdings beobachten wir auch, dass die Digitalisierung zum Beispiel zu einer höheren Arbeitsintensität führen kann und sich einige überfordert fühlen. Der Wandel von technologischen Prozessen schreitet schnell voran – die Menschen brauchen aber Zeit um sich anzupassen und Neues zu lernen. Entsprechend müssen Arbeitszeiten so gestaltet sein, dass dies auch möglich ist. Gleichzeitig sehen wir, dass die Arbeit sich stärker ausdifferenziert und Unterschiede in den Arbeitsanforderungen zunehmen. Und diese kann man nicht unbedingt (mehr) am Beruf oder Alter festmachen.

Der Mensch im Mittelpunkt

Was ist für Sie das Wichtigste im Arbeitsschutz?

Arbeit sollte in erster Linie menschengerecht gestaltet sein. Das heißt also sie muss schädigungs- und beeinträchtigungsfrei sein, soll gleichzeitig aber auch die Gesundheit und die Persönlichkeit von Menschen erhalten und fördern. Im Arbeitsschutz sollte folglich der Mensch im Mittelpunkt stehen, also seine Bedürfnisse und Gesundheit. 

Dr. Anita Tisch, Interview 2021
Dr. Anita Tisch
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Dr. Anita Tisch ist promovierte Soziologin und leitet die Forschungsgruppe „Wandel der Arbeit“ bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

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